Laktoseintoleranz

 

Als Osteopath und Heilpraktiker habe ich mich nicht nur mit den Ursachen und systemischen Folgen von Nahrungsmittel Unverträglichkeiten beschäftigt, sondern auch an unzähligen Patienten beobachtet, zu welchen strukturellen Problematiken Darmprobleme, wie die Laktoseintoleranz, führen. Eine andauernde Belastung des Verdauungssystems hat eine spezifische Wirkung auf den Schädel, Bewegungsapparat und Organe. Im folgenden möchte ich zuerst auf die Sichtweise der universitären Medizin eingehen, da diese durchweg sinnvoll ist, um dann die osteopathische Kompensation beschreiben, die auf meiner persönlichen  klinischen Erfahrungen beruht.

Laktoseintoleranz

Was bedeutet Laktoseintoleranz?

Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)  wird durch ein Mangel des Enzyms Laktase verursacht. Durch eine mangelhafte Laktase Aktivität des Dünndarms wird der Milchzucker nicht  in die leicht verwertbaren Zuckerarten Galaktose und Glukose aufgespalten, sondern gelangt in den Dickdarm, wobei die Laktose dort von Bakterien vergärt wird. Dabei entstehen durch Gärung Laktat (Milchsäure) und die Gase Methan und Wasserstoff.

Symptome der Laktoseintoleranz

Meist führt eine Laktoseintoleranz  zu Blähungen, Völlegefühl, Bauchkrämpfe und durch die osmotische Milchsäure zu einem  Wasser Einstrom in den Darm. Dadurch werden die, bei Laktoseintoleranz typischen Durchfälle, ausgelöst. Ein Ungleichgewicht der Darmflora wird zu einer erhöhten Anfälligkeit des Darms führen, wodurch chronische Infekte entstehen. Ebenfalls wird diskutiert, ob so das leaky gut Syndrom (Darm Durchlässigkeit) entstehen kann und zu allergischen Reaktionen führt. Nicht immer kommt es jedoch bei einer Laktoseintoleranz zu spezifischen Symptomen. In diesen Fällen spricht man von einer Laktose Maldigestion  (Laktose Fehlverdauung). Durch die entstehende Dysbiose (Bakterien Fehlbesiedlung) werden durch die Bakterien Toxine gebildet, welche unterschiedliche Symptome, wie LWS (Lendenwirbelsäulen)  Schmerzen, Gliederschmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen, Akne oder gar Schwindel  und Kopfschmerzen auslösen können.

Natürliche Laktose Verdauung

Natürlicherweise können Menschen und alle Säugetiere durch das Stillen Laktose verdauen und bilden im Dünndarm in ausreichender Menge das Enzyms Laktase. Nach der Stillzeit sinkt die gebildete Laktase auf nur noch 10-15% der ursprünglichen Menge. Während in kälteren Regionen große Teile der Bevölkerung durch die traditionelle Milchwirtschaft im Erwachsenen Alter noch Milch verdauen können, sind in Afrika und  Asien ein großer Teil der Bevölkerung im Erwachsenen Alter natürlicherweise nicht in der Lage Milch adäquat zu verdauen. Von einer Laktoseintoleranz spricht man nur bei Bevölkerungsanteilen, welche in Regionen leben, in der der überwiegende Teil der Bevölkerung Laktose verdauen kann. Die Unverträglichkeit von Milchprodukten wird als normal angesehen. Dennoch kann in Deutschland ca 10 – 20 % der Bevölkerung Laktose nicht verdauen. Im hohem Alter sind es wahrscheinlich 60 %-80 %. Die natürliche Aktivität der Laktase nimmt mit steigendem Alter proportional ab.

Arten der Laktoseintoleranz:

absolute Laktoseintoleranz  (angeborener Laktase Mangel)

Hier besteht durch einen Gendefekt bereits bei Geburt bereits ein schwerwiegender Enzymmangel. Dies zeigt sich schon nach wenigen Tagen an massiven Durchfällen. Wahrscheinlich gibt es auch Fälle, bei der Säuglinge schon im Magen  Laktose aufnehmen. Dies kann durch toxische Wirkung zu Augen-, Leber- und Hirnschäden führen. Säuglinge mit angeborenem Laktase Mangel müssen unbedingt intensiv medizinisch von Kinderärzten betreut werden!

Primäre Laktoseintoleranz (natürlicher Laktase Mangel)

Als primäre Laktoseintoleranz wird der natürliche Abbau der Laktose Aktivität im höheren Alter bezeichnet. Die natürliche Laktoseintoleranz ist keine Krankheit, bedarf aber dennoch diätischer Maßnahmen, oder einer Enzym Substitution mit Laktase (z.B. Laktase 5000 Pronatura) Menschen mit bestimmter genetischer Abstammung, entwickeln schon früh einen Laktase Mangel.

Sekundäre Laktoseintoleranz (erworbene Laktoseintoleranz)

Als sekundäre Laktoseintoleranz  wird ein Enzymmangel  bezeichnet, der infolge anderer Pathologien (Erkrankungen) entstanden ist. In vielen Fällen nimmt die Enzymaktivität nach Ausheilung wieder zu, so dass Milchprodukte wieder in die Ernährung aufgenommen werden können. In manchen Fällen persistiert die Laktoseintoleranz jedoch lebenslang.

Folgende Erkrankungen gelten als Auslöser:

  • Darmparasiten (z.B. Amöben, Lamblien oder Bilharziose)
  • bakterielle Darminfekte
  • Chemo- und Strahlentherapie
  •  Zöllakie / Sprue (Darm Atrophie auf Grund einer Gluten Intoleranz)
  • Gastrektomie
  • Alkoholabusus
  • Mangelernährung

Diagnose der Laktoseintoleranz:

H 2 Atemtest der Laktoseintoleranz

Es wird nach Aufnahme einer definierten Laktose Menge Wasserstoff (H2) in der Atemluft gemessen. Bei einer Laktoseintoleranz steigt der Wasserstoffanteil in der Atemluft deutlich an. Da bei 15 % (Non Response Typen) der Laktose intoleranten Menschen, durch die Anwesenheit von harmlosen Darmbakterien Methan gebildet wird, und so die Ermittlung des Wasserstoff Wert nicht möglich ist, handelt es sich um keine zuverlässige Diagnose Methode

Blutest auf Laktoseintoleranz

Da nach Aufnahme von Laktose, diese bei gesunder Laktose Verdauung, in Galaktase und Glucose aufgespalten wird, muss der Blutzuckerspiegel in der Folge ansteigen. So wird nach Gabe einer definierten Laktose Menge der Blutzuckerspiegel gemessen. Steigt dieser nicht, oder nur geringfügig an, ist eine Laktoseintoleranz wahrscheinlich. Falsch negative Ergebnisse entstehen bei latenten oder manifesten Diabetes mellitus (Blutzucker Krankheit)

Gentest der Laktoseintoleranz

Es kann auch ein Gentest auf den LCT Genotyp durchgeführt werden. Als Untersuchungsmaterial genügt ein Wangen Abstrich. Da, mit einem Gentest, eine sekundäre Laktoseintoleranz nicht festgestellt werden kann, gibt es häufig falsch negative Ergebnisse

Kinesiologie und Laktoseintoleranz

Mittels Kinesiologie ist es möglich eine  zuverlässige Diagnose zu stellen. Typischer Weise ist der M. Rectus femoris hyperton und wird bei TL Dünndarm schwach. Ein normo reaktiver Muskel wird bei oraler Gabe von Laktose schwach und bei zusätzlicher Gabe von Laktase wieder normo reaktiv. Hier entstehen falsch negative Ergebnisse, wenn der Patient die letzten Tage keine Laktose eingenommen hat, da kleine Mengen noch toleriert werden. Vielen Therapeuten die notwendige Erfahrung und das Verfahren ist wissenschaftlich nicht anerkannt.

Selbsttest zur Laktoseintoleranz

Bei dem Selbsttest wird bei auf eine Laktoseintoleranz hinweisenden Symptomen, wie Flatulenz und Durchfall, bei unveränderter Ernährung über 7 Tage mit einer Strichliste Häufigkeit und Intensität der Beschwerden notiert. Daraufhin verzichtet der Proband 14 Tage konsequent auf alle Laktose haltigen Nahrungsmittel. Nach 2 Wochen Laktose Karenz werden 50 gramm Milchzucker in einer wässrigen Lösung eingenommen. Kommt es unter dem Selbsttest zu einer deutlichen Veränderung der Symptomatik ist eine Laktoseintoleranz wahrscheinlich. Da Darmbeschwerden häufig multifaktoriell sind, kommt es auch hier zu falsch negativen Ergebnissen.

Laktose Gehalt von Nahrungsmitteln:

Zartbitter Schokolade (80% Kakao)0-0,6
Mozzarella Käse0,8
Brie Käse0,6
Butter0,2 -1g
Butterschmalz<0,1
Camembert Käse0,0 ( bis ~1g)
Feta-Käse (40 % Fett)0,3- 0,8
Reifer Hartkäse0,1-0,5
Parmesan Käse0,1
Ricotta Käse0,2-1,2

Laktose Gehalt 1-5g/100g

gramm/100g

Buttermilch3-5
Hüttenkäse5
Magerquark3-4
Mascapone2,5
Nutella1,4-3
Sauerrahm (18% Fett)3
Quark (20% Fett)2,5-3,8
Jogurt3-5
Frischmilch (3,8% Fettgehalt)4,5-5

Laktose Gehalt über 5g/100g

gramm/100g

Milcheis5-8
Kondens Milch8-12
Magermilch Pulver50
Magermilch47
Schokolade (Milch)9,5
Molken Pulver73
Schmelzkäse, 50% Fettgehalt6,5

Entgegen der Ansicht vieler Menschen, enthält Schaf- und Ziegenmilch nur geringfügig weniger Laktose als Kuhmilch. Auch viele Wurstwaren, Marinaden, Fertigprodukte, Brote und Soßen sind Laktose haltig.

Osteopathie und Laktoseintoleranz:

Kraniosakrale Folgen der Laktoseintoleranz

Bei einer über einen längeren Zeitraum unbehandelten Laktoseintoleranz mit einer Belastung des Darms, kommt es durch einen starken Spannungszustand des Abdomen, über die Aufhängung des Verdauungsapparats mit andauerndem symmetrischen Zug am Sphenoid (Anteil der Schädelbasis) zu einer vertikalen Verschiebung nach kaudal. Es ensteht ein Spannungszustand des Tentorium und in der Folge eine Störung des kraniosakralen Rhythmus

Parietale osteopathische Folgen

Kompensatorisch werden  die Beckenschaufel nach posterior die Femur nach außen rotieren, wobei beide Füße  eine Supination Stellung einnehmen. Die Fibula wandert nach kaudal und posterior am Kniegelenk. Dadurch ensteht eine erhöhte Belastung der Becken- und Kniegelenke. Zudem  besteht eine Disposition zu Supinations Traumata der Sprunggelenke

Viszerale osteopathische Folgen

Die Blase und Nieren senken sich ab , während der Magen in das Zwerchfell gezogen wird, welches sich  parallel zum Tentorium  in einem Spannungszustand befindet. So kommt es zu funktionellen Störungen der betroffenen Organe. Während die Nieren nicht mehr optimal entgiften, wird die Blase anfällig zu funktionellen Störungen. Durch eine Störung am Mageneingang und der Diaphragma Spannung, vor allem bei einer gleichzeitig vorhandenen Hiatushernie, kommt  es häufig  zum Reflux mit Risiko einer malignen Erkrankung des Ösophagus.

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