Botanischer Name: Centaurium erythraea
Pflanzenfamilie: Enziangewächse (Gentianaceae)
Botanische Hauptmerkmale: 1-2 jährig, 20-30 cm hoch, grundständige Blattrosette, am vierkantigen Stengel wachsenden Blätter sind lanzettlich, kreuzweise gegenständig, meist fünfnervig, doldenartig angeordnete, trichterförmige hellrot-violette Blüte mit radförmig ausgebildeter 5-er Krone
Blütezeit: Juli-September, Ernte: Blütezeit
Verwendete Pflanzenteile: Kraut (Herba Centaurii)
Inhaltsstoffe: Bitterstoffe (Amarogentin), Flavonoide, Sterole
Wirkung: Appetitanregend, magenstärkend, verdauungsfördernd, anregend auf alle Verdauungsorgane, tonisierend, steigert Magensaftsekretion
Indikationen: Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Magenschwäche mit mangelnder Sekretion, Magersucht (Anorexia nervosa), Leber-, Galleleiden, nervöse Erschöpfung, Blutarmut
Kontraindikation / Nebenwirkungen: Keine
Zubereitungs- und Darreichungsform:
Innerlich:
- Infus (2-3x/Tg. 1Tasse)
- Tinktur (2-3x/Tg. 10-25Tr.), Hom.
Wirkung gemäss TCM (kalt):
- Senkt aufsteigendes Feuer ab
- Klärt Feuchte Hitze in der Leber
- Wirkt bei Leber-Qi-Stagnation
- Stimuliert die Gebärmutter
- Tonisiert
- das Milz-Qi
Humorale Qualität: Warm 2, Trocken 2. Zusammenziehend, öffnend, reinigend, wundreinigend, trocknend, erwärmend.
Wesen der Pflanze: Idealität und Realität
Sein Wesen kommt im Zentaur – dem Doppelwesen zwischen Pferd und Mensch aus der griechischen Mythologie – wunderbar zum Ausdruck. Der Zentaur symbolisiert den Zwiespalt des menschlichen Daseins. Auf der einen Seite manifestiert sich eine Köpergestalt mit Instinkten und Bedürfnissen, andererseits birgt der menschliche Körper (dadurch erhebt er sich über das Tier) ein Seelenleben in sich. Es ist ein Wesen, das in sich selbst nicht eins ist, denn das aufwärts gerichtete Streben nach Licht und Reinheit und das schwer zu bändigende Naturwesen können nicht zusammenfinden. Diese Gespaltenheit zwischen Idealität und Realität im menschlichen Wesen verursacht bei vielen Menschen einen grossen Leidensdruck. Sie haben angesichts ihrer Idealvorstellungen grosse Mühe, den Körper zu akzeptieren, dessen natürliche Ansprüche und Bedürfnisse erfüllt und befriedigt werden müssen. Es sind Menschen, die ihr Ideal auf den Körper projizieren und durch diesen Anerkennung und Liebe suchen – der heute so verbreitete Jugendlichkeits- und Schlankheitswahn ist ein Ausdruck davon.
Das Tausendgüldenkraut ist ein Enziangewächs, das aber nicht wie gewohnt in den Alpen wächst, sondern in mittleren Höhen, wo sie vielfach vom Gras umgeben ist und somit weniger zur Geltung kommt. Ihre Blüten zeigen einen Glanz und Zartheit von ergreifender Schönheit, trotz ihrer Schlichtheit. Es besteht also ein grosser Gegensatz zwischen Standort der Pflanze und ihrer Ausstrahlung. Im Wesen dieser schlichten Pflanze liegt die Kraft verborgen, eine Brücke zwischen der Klarheit des Geistes und dem wuchernden Lebensdrang zu schlagen.



