Die Mariendistel ist eine wichtige Pflanze zur Behandlung von Erkrankungen und Vergiftungen der Leber. Ich empfehle meist die Verwendung von galenischen Präparaten, da für die Wirksamkeit der Heilpflanze eine Mindestdosis von 120mg/Tag Silymarin notwendig ist. Alternativ kann auch esslöffelweise die gepulverte Frucht eingenommen werden, was wesentlich kostengünstiger ist. Die Kommission E gab der Mariendistel eine positive Monographie zur adjuvanten Therapie bei Lebererkrankungen.
Botanischer Name: Silybum Marianum L. (Carduus marianus)
Pflanzenfamilie: Korbblütler (Compositae)
Botanische Hauptmerkmale: Die 1-jährig überwinternde oder 2 jährige Heilpflanze wird 50-150cm hoch. Der aufrechte und ästige Stengel ist mit grün-glänzenden, stark gewellten Laubblättern mit weiss gefleckten Nerven besetzt. Am Ende der Blattspreite sind kräftige, spitze Dornen. Auf stachelspitzigen Hüllblättern befinden sich einzelne purpurrote, violette Röhrenblüten, an denen sich nach Ihrem verblühen braun gefleckte Samen bilden.
Blütezeit: Juni-September, Samen: August-Oktober
Verwendete Pflanzenteile: Früher auch Wurzel – heute nur die Samen (Fructus cardui mariae) und Blätter (Folia cardui mariae)
Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Flavonoide = Silymarin (Silybin, Silybinin, Silydianin), fettes Öl (mehrfach ungesättigte FS), äth. Öl,
Wirkung: Antihepatotoxisch (leberentgiftend), leberschützend, leberstärkend, leberzellbildend, galletreibend, verdauungsfördernd, zirkulationsfördernd, entzündungshemmend
Indikationen: Lebererkrankungen, Hepatitis, Gelbsucht, Leberzirrhose, Fettleber, Vergiftungen der Leber (durch Knollenblätterpilze, Alkohol und Medikamente), Verdauungsbeschwerden, Gallenkoliken, Gallenstauungen, Verstopfung, Kopfschmerzen, Übelkeit, Migräne, Menstruationsbeschwerden, Schlaflosigkeit, Hämorrhoiden und Obstipation
Nebenwirkungen: Keine, manchmal leicht abführende Wirkung.
Zubereitungs- und Darreichungsform:
- Innerlich als Dekokt ( 3 x täglich) vor dem Essen
- Tinktur (3 x täglich).,15-20 Tropfen
- galenische Präparate (Tabl.)
- Homöopathische Niedrigpotenzen
Wirkung gemäss TCM:
- leitet feucht Hitze aus der Leber
- Temperaturverhalten kalt
- Geschmack bitter
- tonisiert das Leber Yin
- leitet toxische Hitze aus
- leitet Schleim-Hitze aus
Wesen der Pflanze:
Abgrenzung, Schutz, Individualität
Die Mariendistel fördert die Fähigkeit, sich gegenüber emotionaler und physischer Ausbeutung, gegenüber Angriffen und Manipulationen angemessen zu behaupten. Sie unterstützt damit die Wahrung der eigenen Persönlichkeit, indem sie die aktive Abgrenzung gegenüber schädigenden psychischen Einflüssen stärkt. Zu beachten ist, dass sich eine psychische Abwehrschwäche auf gegensätzliche Arten äussern kann, nämlich entweder in der Unfähigkeit zur Abgrenzung und zum Nein sagen oder aber in einer übersteigerten, aggressiven Abgrenzung. Eine solche Schwäche kann zu einer Störung der Entgiftungs- und Ausscheidungsfunktionen der Leber führen und damit Ursache von chronischen Krankheiten sein. In jeder zwischenmenschlichen Beziehung muss das richtige Mass zwischen Öffnung und Abgrenzung gefunden werden. Diese Öffnung kann aber auch zu weit gehen, so dass der andere in Bereiche eindringt, die zum individuellen Freiraum gehören. Hier ist ein gesundes Mass an Abgrenzung vonnöten, indem man entschieden Nein sagen kann. Wer seinen individuellen Freiraum nicht schützen kann, wird ausgebeutet und verliert Lebenskraft.
Eine klare Abgrenzung zeigt die Mariendistel, mit ihren langen, harten, scharfen Stacheln, die schon bei einer leichten Berührung in die Haut eindringen.




